Milchstrasse 

Der Göttliche, es kann aber auch die Göttliche gewesen sein, also ES stand vor der großen Himmelsleinwand, den Pinsel entschlossen in der Hand. Bisher hatte ES viele helle Punkte auf den dunklen Hintergrund getupft, alles noch ziemlich unspannend. Die Sonne, so fand ES, war sein bisher bestes Werk. Die eruptierte, schleuderte und färbte in einem Fort. Power, die auch sein neues Bild brauchte. Aber die Sonne war einfach zu weit weg, um dem neuen Werk Würze zu geben. Also langte ES kräftig in die Acryltöpfe und ließ das Lichtpunktgewimmel an den Rändern des begonnenen Bildes ins Unendliche explodieren. Gerade als ES zu einer neuen Farbattacke mit gelb und rot anheben wollte, intonierte sein Smartphone: Dringender Termin. So tropfte und floss noch etwas kräftige Buntheit auf das Bild – und blieb so. Warum ES sein Werk Milchstrasse nannte, weiß keiner. Und fragen kann man auch nicht mehr. Der Himmel ist mittlerweile handyfreie Zone. 

 

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